Valentinstags Bonus Szene Ungewollt Gefangen
„Aufstehen, Aufstehen, Aufstehen!“, ruft Hira freudig, rüttelt an meinem Arm und lacht. Ich spüre, wie sich ihr kleiner Bruder, der mittlerweile zwei Jahre alt ist, auf meinen Bauch setzt und rumhüpft, um seine Schwester zu unterstützen. In mir breiten sich lauter kleine Schmetterlinge aus, die vor Freude zerspringen möchten. Ich bin glücklich. Sehr. Und auch wenn es manchmal surreal klingt, nachdem, was mir alles passiert ist, bin ich dennoch glücklich. Ich öffne meine Augen und begegne zwei süßen Zuckerbären mit honigbraunen Augen, die sie von ihrem hübschen Vater geerbt haben. Naim nuckelt an seinem Schnuller und gibt freudige Geräusche von sich.
„Ich bin wach. Ich bin ja schon wach“, gebe ich lachend von mir und nehme beide in eine Umarmung. Sie kuscheln sich an mich, und mein Herz zieht sich zusammen, als ich ihre kindlichen Himmelsgerüche aufnehme. „Papa hat eine tolle Überraschung für dich, na los, komm schon.“
Überraschung? Verwirrt ziehe ich die Augenbrauen zusammen. Hat er nicht gesagt, er ist für ein paar Tage weg, um geschäftliche Sachen zu klären für einen Frauenhausbau? Ich nehme Naim in die Arme, und dieser gluckst. Ich stehe mit ihm auf und lege ihn zurück ins Bett. Hira schaut mit großen Teddybär-Augen zu mir. Sie ist zierlich, sieht mir wie aus dem Gesicht geschnitten aus und ist gerade eingeschult worden. Schule macht ihr absolut keinen Spaß. Sie möchte lieber mit ihrem Bruder spielen, und das bringt mich zum Lachen. Denn so war Riyad nach der Erzählung seiner Mutter auch. Auch wenn sie viele Umstände hatten. Die meine Kinder Gott sei Dank niemals erleben müssen.
„Mama kommt gleich, okay? Ihr bleibt schön brav hier, ja?“ Hira nickt. Naim schaut sie an und tut es ihr gleich. Nachdem ich mein Gesicht und meine Zähne geputzt habe, verlasse ich das Bad und sehe, dass sie wirklich brav dort geblieben sind. Ich schmunzle, gehe auf die beiden zu und drücke ihnen einen Kuss auf den Kopf. Dann hebe ich meinen Sohn auf, der anfängt, mit meinen Haaren zu spielen, während ich Hira mit einer Hand aus dem Bett helfe. Sie hält meine ganz aufgeregt und eilt förmlich aus dem Zimmer. Ich rieche frisch gebackene Kekse und bin noch mehr verwirrt darüber. Meine Schwiegermutter ist verreist, um ihre Schwester zu besuchen, die in Frankreich lebt. Dass sie mit uns lebt, ist für mich nie ein Problem gewesen, denn sie ist der netteste Mensch auf Erden. Ich könnte sie nie hassen, denn dafür behandelt sie mich wie eine eigene Tochter. Manchmal frage ich mich, wie nett ein Mensch sein kann, nachdem ihm so viel passiert ist.
Wir laufen vorsichtig die Treppen herunter, doch Hira springt glücklich und rennt runter.
„Hira! Du wirst dir wehtun!“, taddel ich.
Als ich im Wohnzimmer ankomme, bleibt mir der Atem stehen. Tränen sammeln sich in meine Augen. Hira grinst über das ganze Gesicht, als ich sehe, wie der ganze Raum mit roten Luftballons gefüllt ist, Girlanden und Rosenblätter auf dem Boden. So viele Geschenke, die überall verpackt liegen. Ifran kommt auf mich zu, drückt mir einen Kuss auf die Wange und nimmt mir Naim ab. Sie ist mittlerweile fünfzehn Jahre alt und zu einem unglaublich hübschen Mädchen herangewachsen.
„Na los, Tante Bara!“, ärgert sie mich und lacht, als mein Sohn ihren Finger nimmt und damit spielt. Hira klatscht in die Hände, nähert sich ihrer Tante und hält sich an ihrem Bein aufgeregt fest.
Vor mir steht eine gigantische Box mit mindestens dreitausend weißen Rosen. Wie hat er das geschafft, hier reinzuholen, verdammt? Jedes Mal verliebe ich mich aufs Neue in ihn, weil er mir nie das Gefühl gegeben hat, nicht genug zu sein. Zitternd streiche ich mit der Hand über die Blumen und entdecke eine Karte. Ich nehme sie in die Hand und öffne sie.
Warte heute Abend nackt im Bett auf mich. Dann mache ich dir ein drittes Baby.
Augenrollend klappe ich die Karte zu.
„Er ist manchmal wirklich ein Arschloch“, lache ich.
„Bin ich das?“
Geschockt schaue ich zu meinem Ehemann, der mich um zwei Köpfe überragt. Er schiebt gerade die Terrassentür zu, kommt auf mich zu. Mein Herz klopft schnell gegen die Brust, denn seine maskuline, dunkle Aura zieht mich bis heute noch auf die Knie.
Ifran nimmt die Kinder, die kichern, und führt sich nach oben. Ich höre ihre kindlichen Stimmen. Die zwei Tage, die er nicht hier war, waren eine Qual. Als er vor mir steht, bückt er sich und küsst meine Lippen. Gänsehaut breitet sich auf meinem Körper.
„Du dachtest wirklich, dass ich nicht komme?“, fragt er amüsiert und lächelt schief.
Ich streiche mit den Fingern über seine Lippen. Er haucht einen Kuss drauf.
„Womit verdiene ich das alles?“, kommt es hauchend von mir.
Riyad nimmt meine Hand, küsst mehrmals meinen Handrücken.
„Du verdienst die Welt, Bara. So viel mehr.“
Dann küsst er mich noch einmal, und dieses Mal erwidere ich den Kuss, beiße ihm in die Unterlippe, während er leicht schmunzelt. Gerade als es etwas stürmischer wird, zieht er sich zurück, und ich seufze frustriert. Meine Wangen färben sich rosarot. Riyad schaut mich intensiv und mit einem dunklen Glitzern an, bevor er sich langsam kniet. Und dieses Knien ist so verdammt sexy, dass ich den Atem anhalte. Es ist dominant, so verdammt besitzergreifend. Seine rauen, großen Hände packen meine Hüften und massieren sie sanft. Ich beiße mir auf die Lippen. Dann küsst er meinen Bauch, und ich seufze. Streiche ihm durch die Haare. Seine honigbraunen Augen schauen mich an. Während ich ihm mit den Fingern seine Gesichtskonturen nachfahre. Doch was dann geschieht, lässt mich schluchzen, und ich fange an zu weinen. Er zieht aus seiner hinteren Hosentasche eine dunkelblaue Schatulle von Harry Winston heraus. Was verdammt noch mal passiert hier? Als er sie öffnet, raubt es mir den Atem. Ich schaue auf den funkelnden polarstern-silbernen Diamantenring.
„Oh Gott, Riyad, was—“
Er unterbricht mich, küsst noch einmal meinen Bauch und dann meine Hände. Meine Mitte, die nur in einer kurzen Pyjamashorts steckt.
„Du hast nie einen richtigen Antrag bekommen, Bara.“
Die Tränen laufen meine Wangen entlang, denn das wäre nie nötig gewesen. Ich habe ihn geheiratet, weil ich ihn liebe. Unglaublich liebe. Und dieser Ring kostet mindestens 100.000 Euro. Woher hat er diesen bekommen?
„Willst du mich nochmal heiraten, weiße Rose?“
Ich presse mir die Hand vor den Mund und nicke dann. Mein Ehemann steckt ihn mir an die zitternde Hand und steht dann auf, um mich hochzuheben. Ich schlinge meine Beine um seine Hüften und halte ihn an seinen starken Armen fest. Unschuldig blicke ich ihn an.
„Ich liebe dich, das weißt du, oder?“
„Und ich liebe dich, das weißt du.“
Lachend drücke ich ihm einen Kuss auf die Lippen.
„Der war bestimmt teuer.“, seufze ich.
„Kein Geld der Welt ist es wert, Bara. Nichts kommt an dich ran. Nichts ist wertvoller als du.“
Gott, könnte man sich denn noch mehr in jemanden verlieben?
„Sag schon, wie teuer war er?“
Dass Riyad all das Geld der Welt hat, ist mir klar. Sein Imperium wächst immer mehr, und er ist einer der reichsten Unternehmer geworden. So reich, dass er in den deutschen Fonds zu finden war. Ich bin stolz auf ihn. Stolz darauf, dass er sich all das selbst ermöglicht hat – nach so einer Zeit, wie wir sie hatten.
Er nähert sich meinem Ohr und flüstert:
„So teuer, dass du ihn nie wieder abnehmen würdest.“
Riyad knabbert an meinem Hals, und ich schlinge meine Arme um seinen.
„Du wirst es mir nie verraten, stimmt’s?“
„Nein“, haucht er. Kuss. „Ich verrate dir was anderes.“ Kuss. „Du wirst heute ein drittes Mal schwanger, kleine Bara.“ Kuss.
Ich fahre mit meiner Hand durch seine vollen Haare und stöhne, als er mich am Kinn beißt und dann küsst. Ja, vielleicht werde ich das. Und er könnte mir noch hunderte von Babys machen, weil er ein guter Mann ist. Ein guter Vater. Eine gute Seele.
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